Dianas Vermächtnis – Produktionsnotizen

Mai 6, 2019

Diana Budisavljevic hat viele Tausend Menschen gerettet – und doch ist ihr Name weitestgehend unbekannt.
Sie befreite Kinder aus den Konzentrationslagern des Ustascha-Regimes.
Sie führte Listen über die Kinder und machte sie damit wieder auffindbar.

Viele Familien verdanken der Innsbruckerin Diana ihre Existenz und unzählige Kinder das Wissen um ihre eigene Identität.
Denn ohne Dianas Katalogisierung besonders kleiner Kinder mittels Foto, Namensnotiz und Liste hätte man diese Kleinkinder niemals ihren Familien zurückbringen können.
Man hätte ganz einfach nicht gewusst, wer sie waren.

Dianas Geschichte wirkt weit weg, sie ist lange her.

Die Recherche zu diesem Film war unfassbar traurig.
Das Filmmaterial von ermordeten Menschen und eingesperrten Kleinkindern auf Strohlagern schier unerträglich.
Diese Kinder hatten die falsche Ethnie, die falsche Religion, die falsche Staatsbürgerschaft.
Viele nicht älter als meine beiden Neffen, die gerade in den Kindergarten kommen. Wenn man tagelang vor dem Schnittcomputer sitzt und sich stundenlang ansieht, was für grausame Qualen Menschen fähig sind, kleinen Kindern zuzufügen, ist es schwer, die Hoffnung in die Menschheit nicht zu verlieren. Dabei findet genau das genau heute auch noch statt. Es ist nur gut ausgeblendet.

Den Holocaust haben wir heute gefühlt abgearbeitet, wir produzieren zwar immer noch Dokus über Hitlers Hunde (und auch ich nenne hier seinen Namen…),  aber für junge Leute ist die Zeit so lang her wie ein böses Märchen aus vergangener Zeit.
Wie es König Blaubart für mich war.
Wir posten heute Selfies vom Balancieren auf den Schienen, die nach Auschwitz führten.

Im deutschsprachigen Raum wähnen wir uns in Friedenszeiten.
Intellektuell wissen wir schon, was für Gräuel gar nicht so weit weg dafür sorgen, dass Menschen aus ihrer Heimat fliehen müssen. Um zu überleben.
Manche von uns helfen auch Geflüchteten und hören ihre Geschichten.
So richtig bewusst spüren wir das Leid aber nicht.

Der 2. Weltkrieg ist für meine Generation schon so lange her wie der 1. Weltkrieg für meine Eltern.
Was in den Nachbarländern Österreichs zur Zeit des Holocausts passiert ist, haben wir im Geschichtsunterricht neben der ausführlichen Analyse der Habsburger-Erbfolge nur gestreift.

Dass es unweit von Zagreb ein Konzentrationslager gab, das neben den Lagern im deutschsprachigen Raum das größte in ganz Europa war, habe ich nicht gewusst.
Jasenovac hieß es.

Dass es dort Wettbewerbe gab, wer von den Ustascha-Soldaten mehr Menschen innerhalb einer Stunde die Kehle durchschneiden kann, das wollte ich nicht wissen.
Auch nicht, dass man die Köpfe Ermordeter als Spalier in Vorgärten gestellt hat. Diese Bilder kommen in unserem Film bewusst nicht vor.

Dass dort auch Arbeitsunfähige, Frauen und Kinder ermordet worden sind, sollten wir wissen.

Damit es nie wieder passieren kann.

Und dass es damals jemanden wie Diana Budisavljevic gab, eine Frau aus der Zagreber Gesellschaft, die sich diese Zustände einfach nicht mitansehen konnte – das soll erzählt werden.

Als Beispiel für uns alle, die wir nicht zulassen dürfen, wie die Grenzen des Akzeptablen auch in Österreich und Deutschland unmerklich – oder doch sehr offensichtlich – immer mehr verschoben werden.

Und darum ist es keine historische Dokumentation, die mit Wohlfühl-Unbehagen eine ferne Begebenheit rezitiert.
Es ist ein aktueller Film über Heldenmut und Niedertracht,
über die Liebe zu den Menschen,

über das Trennende, das so unbesiegbar wirkt
und doch so viel weniger wichtig ist, als das Verbindende.

Die Geschichte einer Lebensretterin,
die sich und ihre Familie in Lebensgefahr gebracht hat, weil sie die Chance gesehen hat, anderen – völlig Unbekannten – zu helfen.

Nach dem Krieg wurde Diana nicht geehrt.
Es gibt kein Heldendenkmal von ihr in Zagreb und auch nicht in ihrer Heimatstadt Innsbruck.
Wohl aber wird ihr zu Ehren dort ein Kindergarten benannt – initiiert von der serbisch-orthodoxen Kirchengemeinde, die dafür eintritt, Dianas Andenken zu ehren.
Und wie Vladimir Vlajic in unserem Film es so treffend sagt:

„Vielleicht spüren die Kinder in diesem Kindergarten dann ein wenig den Geist von Dianas Aktion und nehmen diese positive Energie mit in ihr späteres Leben.“