Margarethe Schütte-Lihotzky

Architektin, Kommunistin, Widerstandskämpferin

Dokumentation   |   40 Minuten   |   Buch & Regie: Iris Haschek   |   ORF III, Planet TV, Zukunftsfonds, Nationalfonds  |    2017

„Ich bin keine Küche!“

Margarete Schütte-Lihotzky: erste Architektin Österreichs und kompromisslose Widerstandskämpferin.
Sie gilt als Pionierin der sozialen Architektur und Heldin im Widerstand gegen die Nazi-Diktatur. Und sie entwickelte die „Frankfurter Küche“, die als Vorläufer der heute weltweit eingesetzten Einbauküche gilt.
Einen „Marketing-Gag“ nannte es Schütte-Lihotzky, dass ihr als einzige Frau im Architekten-Team die Aufgabe des Küchendesigns zugeteilt worden war. Und: „Wenn ich gewusst hätte, dass alle immer nur davon reden, hätte ich diese verdammte Küche nie gebaut!“.

Die Architektin, Stadtplanerin und Widerstandskämpferin Schütte-Lihotzky war mit Adolf Loos, Béla Bártok und Max Reinhardt befreundet. Sie arbeitete in Wien und Frankfurt, wo sie sich vor allem im sozialen Wohnbau engagierte, in Rotterdam, Paris, Sofia, Moskau, Magnitogorsk und China.

1938 schloss sie sich dem antifaschistischen Widerstand an und ging aus dem sichern Instanbul zurück in ihre Heimatstadt Wien. Dort wurde sie nach wenigen Wochen verraten und verhaftet. Sie wurde zum Tode verurteilt und entging dem Schicksal vieler ihrer Kameraden nur um Haaresbreite. Eine Verkettung glücklicher Umstände, Zufälle und der Einsatz ihres Mannes verhinderten um Haaresbreite ihre Ermordung. „Wäre ein einziger dieser Umstände ausgefallen … ich wäre seit Jahrzehnten tot.“

Margarete Schütte-Lihotzky starb kurz vor ihrem 103. Geburtstag. Über ihre unzähligen Wohnbauten und Kindergärten in Deutschland und Russland, über ihre Tätigkeit in Kuba, in der DDR sowie für die Uno, über die ihr aufgrund ihrer kommunistischen Gesinnung entgegengebrachte Ignoranz im Österreich der Nachkriegsjahre sprach sie wenig.

In ihren Erinnerungen aus dem Widerstand schrieb sie: „Oft fragten mich nach 1945 verschiedenste Leute, auch solche, die keineswegs Nazis waren, warum ich denn aus dem sicheren Ausland nach Wien gefahren bin. Immer wieder empört mich diese Frage, immer wieder bin ich entsetzt über die mir so fremde Welt, in der diese Frage überhaupt eine Frage ist.“
Die Dokumentation lässt Wegbegleiter und Experten wie Christine Zwingl vom Margarete Schütte-Lihotzky Club zu Wort kommen und erzählt von den beiden Leben Margarete Schütte-Lihotzkys; dem als erster Architektin und dem als Widerstandskämpferin.

Österreich ist ein Land großer Töchter. In vier ersten Folgen der Dokumentarfilmreihe von Inspiris Film in Kooperation mit ORF III werden Louise Piëch, Margarete Schütte-Lihotzky, Hedy Lamarr und Trude Fleischmann portraitiert.

So will „Heimat bist du großer Töchter“ die einflussreichen Frauen unseres Landes sichtbar machen. Die Reihe widmet sich dem Selbstverständnis der Frauen – Damals und Heute.

Zu Wort kommen Expertinnen und Experten, die die Lebensgeschichten der „großen Töchter“ beleuchten, und die Vergleiche zum Heute herstellen.

Jeder Film widmet sich der Lebensgeschichte einer Frau und erschafft ein Bild der weiblichen Lebensumstände in der Gesellschaft der jeweiligen Lebenszeit und der Gegenwart.

Dokumentation 2017